Wurmkurgabe?

Wurmkur- strategisch oder selektiv?

Seit einigen Jahren beschäftigt Parasitologen, Tierärzte und auch Pferdebesitzer ein Problem: Würmer werden zunehmend resistent gegen die verfügbaren Wirkstoffe in Wurmkuren, doch Alternativen sind nicht in Sicht. Was ist zu tun? Es steht die selektive Entwurmung der strategischen “alten” Entwurmungsstrategie gegenüber. Wir haben beide Methoden für euch unter das Mikroskop gelegt.

Das Entwurmungsmanagement der meisten Pferdebetriebe ist seit Jahrzehnten gleich geblieben: die Pferde werden pauschal 2- 4 Mal jährlich entwurmt. Die Wurmkuren werden bei dem Tierarzt gekauft und in der Regel hat vor der Verabreichung der Wurmkur keine Untersuchung des Tieres stattgefunden. Dazu kommt, dass die Wurmkur nach Körpergewicht verabreicht werden muss und die meisten Pferdebesitzer gar nicht genau wissen was ihr Liebling wiegt.

Wie wir alle wissen, ist die Wurmkur ein Medikament. Doch die meisten sehen die Wurmkur gar nicht mehr so richtig als Medikament an, sondern eher wie eine Impfung oder wie eine Zahnbehandlung des Pferdes. So wird sie ganz selbstverständlich in den Alltag integriert und die Zweckmäßigkeit wird nicht mehr hinterfragt.

 

Die „alte“ Methode der strate­gischen Entwurmung beim Pferd

Oftmals wird die strategische Entwurmung in moderneren Berichten als „schlecht“ gewertet. Wir möchten dies nicht bewerten, sondern lediglich die beiden Methoden vorstellen, ohne dabei eine Wertung vorzunehmen, welche der beiden Methoden geeigneter oder „besser“ ist.

Es geht darum zu erkennen, ob dein Pferd einen Wurmbefall hat, ob sich Symptome zeigen und danach richtet sich die Entscheidung, ob überhaupt eine Wurmkur nötig ist. Die strategische Entwurmung spielt bei Fohlen und Jungpferden eine entscheidende Rolle! Ist dein Pferd jünger als 5 Jahre, solltest du nicht selektiv entwurmen, auch nicht dann, wenn es sich anbietet, weil alle in deinem Stall „mitziehen“. Da das Pferd noch im Wachstum ist, sind die Auswirkungen eines starken Wurmbefalls schlimmer als für ein ausgewachsenes Pferd. Daher solltest du dein Pferd auf jeden Fall entwurmen, auch wenn es nur einen „leichten“ Wurmbefall hat.

Ganz wichtig ist hier, dass ein Wirkstoff-Wechsel bei den Entwurmungen stattfindet, damit sich keine Resistenzen gegen den Wirkstoff bilden.

Selektive Entwurmung

Die selektive Entwurmung hingegen hat zum Ziel, nur dann zu entwurmen, wenn ein Wurmbefall besteht. Zum Verständnis: Du nimmst ja auch nicht zur Vorbeugung einfach irgendein Antibiotikum ohne zu wissen, um welche Art von Bakterien es sich handelt und ob es überhaupt notwendig ist.

Selektiv Entwurmung lässt sich aus zwei Überlegungen ableiten:

  1. Es werden nur betroffene Pferde entwurmt und nicht pauschal die gesamte Herde
  2. Auch bei den betroffenen Pferden werden nur die entwurmt, die einen kritischen Befall haben, also einen gewissen Richtwert überschreiten.

Selektiv, also ausgewählt zu entwurmen heißt, jedes Pferd individuell zu betrachten und die Situation einzuschätzen. Eine Kotuntersuchung hilft dabei, denn nicht immer zeigt sich ein schwerer Wurmbefall in Symptomen wie Kolik, Abmagerung, Husten, Nasenausfluss, Fieber, Darmentzündungen oder Wasseransammlungen in Beinen und Unterbauch.

Wichtig ist es, dass bei der selektiven Entwurmung die Pferde immer gut beobachtet werden. Zeigt ein Tier Veränderungen, schubbert es sich zum Beispiel an der Schweifrübe, wirkt es matt oder zeigt es ein verändertes Fressverhalten, muss man die Möglichkeit eines Wurmbefalls nochmal genauer prüfen. Dann sollte eine weitere Kotuntersuchung eingeleitet werden. Natürlich sind nicht immer Würmer an allem schuld, aber bei der selektiven Entwurmung zählt ein genaues Beobachten einfach dazu, genau wie eine gute Weidehygiene. Bei der selektiven Entwurmung ist es nicht das Ziel die Pferde „wurmfrei“ zu bekommen. 

Labor

Das häufigste Laborverfahren, um die Anzahl der ausgeschiedenen Wurmeier zu erfahren, ist das McMaster Verfahren. Hier zählt man unter einem Mikroskop in einer Zählkammer die Eier und ermittelt den EpG-Wert (Eier pro Gramm Kot). Der Schlüsselwert liegt bei 200 Eiern pro Gramm Kot, das heißt, wenn ein Pferd mehr als 200 EpG ausscheidet, verseucht es die Weide und steigert somit das Ansteckungsrisiko der Herdenmitglieder. Die Pferde mit hoher Eiausscheidung werden als „Vielausscheider“ kategorisiert und entsprechend behandelt. Pferde mit einer geringeren Eiausscheidung werden als „Wenigausscheider“ kategorisiert und nur behandelt, falls der Wert über 200 EpG steigt.

Empfehlung bei der selektiven Entwurmung- Pflichbehandlung

Da jedoch einige Würmer nur sehr schwer oder gar per Zufall über den Kot nachgewiesen werden können, empfehlen die Tierärzte einmal im Jahr eine „Pflichtbehandlung“ zu machen.

Der Bandwurm scheidet zum Beispiel keine Eier aus, sondern stößt bildlich gesprochen, einen Teil seines Körpers mit Eiern ab. So ist die Trefferwahrscheinlichkeit, dass beim Kotprobensammeln ausgerechnet ein Teil des Bandwurms zu finden ist, sehr gering. Gegen den Bandwurm wirkt der Wirkstoff Praziquantel am besten. In der bisher oft „großen Entwurmung“ oder auch „Nikolaus-Entwurmung“ genannten Wurmkur steckten oft ein Breitbandwirkstoff in Kombination mit dem Wirkstoff Praziquantel.

Dementsprechend ist für die Pflichtbehandlung die „Nikolaus-Entwurmung“ am 06.12. eines Jahres vom Timing her perfekt. Moment mal, dann entwurmen wir hier ja doch wieder pauschal!?

Ja das stimmt. Seit 2018 ist der Wirkstoff Praziquantel von der „Einzelpräparat-Liste“ gestrichen worden. Früher konnte man eine Wurmkur kaufen, in der nur der Wirkstoff Praziquantel eingesetzt wurde, nun muss man Praziquantel in einem Kombinationspräparat mit z. B. Ivermectin verwenden. Ivermectin ist ein breit wirkender Wirkstoff, der u. a. kleine und große Strongyliden und Spulwürmer bekämpft.

 

Würmer im Porträt- die wichtigsten Fakten

Palisadenwürmer (kleine Strongyliden/ Rundwurm)
Optik: 4-26 mm lang, weiß-rötlich
Aufnahme: Infektion auf der Weide
Lebensraum im Pferdekörper: Erwachsene Würmer im Dickdarm, Larven in der Darmschleimhaut
Gesundheitliche Folgen: Schäden an der Darmschleimhaut und -wand, struppiges Fell, starke Durchfälle, Abmagerung, Wasseransammlungen in den Beinen und am Unterbauch, Todesfälle möglich

Magendasseln (Gasterophilus intestinalis)
Optik: Dasselfliege: 8-18 mm lang, braun, behaart, ähnlich einer kleinen Hummel; Larven: 1,5 cm lang, tonnenförmig, rötlich-braun; Eier: am Pferd als gelbliche Stippen auf dem Fell zu erkennen
Lebensraum im Pferdekörper: Magen
Gesundheitliche Folgen: Gaumenschwellungen und Entzündungen der Zunge→ Schwiergkeiten beim Schlucken und Kauen; Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Bauchfellentzündung
Symptome: Koliken, Appetitlosigkeit, Durchfall, Abmagerung, Blutarmut, Leistungsminderung, geschwächtes Immunsystem

Spülwürmer (Parascaris equorum/ Rundwurm)
Optik: 15-20 cm lang
Lebensraum im Pferd: Dünndarm, verirrte Larven sterben ab
Gesundheitliche Folgen: Blutarmut, Abmagerung, struppiges Fell, Wachstumsprobleme, Koliken, Darmverschluss, Larven schädigen bei ihren Wanderungen auch die Atemwege

Zwergfadenwürmer (Strongyloides westeri/ Rundwurm)
Optik: 8-9 mm lang, sehr dünn
Lebensraum im Pferd: Schleimhaut des Dünndarms
Gesundheitliche Folgen: Durchfall, Hautentzündungen durch eindringende Larven

Bandwürmer (Anoplocephala perfoliata)
Optik: 3-8 cm lang, annähernd dreieckig, platt, weißlich, vier Saugnäpfe am Kopf
Lebensraum im Pferd: Blinddarm, die meisten am Übergang zum Hüftdarm
Gesundheitliche Folgen: Abmagerung Durchfall, Verstopfungen und Koliken durch Darmeinstülpungen, chronische Schleimhautentzündungen und -verdickungen, Darmentzündungen

Blutwürmer (Strongylus vulgaris)
Optik: 1,7- 2,5 cm lang, Mundwerkzeug mit zwei abgerundeten Zähnen
Lebensraum im Pferdekörper: Ausgewachsene Würmer im Dickdarm, Larven in den Gefäßwänden der Darmarterien
Gesundheitliche Folgen: Fieber, struppiges Fell und Langhaar, Appetitlosigkeit, Entwicklungsstörungen, Koliken, Lahmheiten

 

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