Entwurmung vom Pferd – Wie geht es richtig?

Praziquantel, Febantel, Pyrantel, Ivermectin oder Moxidectin? Das Fragezeichen wird immer größer? Keine Sorge, wir helfen Euch auf die Sprünge!

Der ein oder andere Stallbetreiber und Pferdebesitzer mag die genannten Wirkstoffgruppen mit Sicherheit schon mal gehört haben, denn die Rede ist von Wurmkuren!


Würmer gehören zu den sogenannten Endoparasiten, also solche, die den Körper von innen angreifen. Grob gesagt gibt es drei wesentliche Gruppen, die das Pferd betreffen und unter genannten Begriff fallen: Rundwürmer, Bandwürmer und Magendasseln.

Zur gesundheitlichen Vorsorge und Erhaltung bei Pferden gehört die regelmäßige Entwurmung. Erfolgt diese, kann einem potentiellen Wurmbefall entgegengewirkt werden. Aber wann und womit werden Pferde am besten entwurmt?

Ein wurmfreies Pferd – geht das?

Um die Frage vorab direkt beantwortet zu haben: Nein.

Gänzlich wurmfreie Pferde gibt es nicht. Eine Ansteckung mit Parasiten kann nicht umgangen werden. Das bedeutet jedoch keine Ausweglosigkeit: Ein gewisser Wurmbefall ist sinnvoll, damit sich das Immunsystem des Pferdes damit auseinandersetzen und dem geringen Wurmbefall entgegenwirken kann. Ein gesundes Pferd hat in der Regel keine Probleme mit einem geringen Parasitenbefall und hält somit den körpereigenen Abwehrmechanismus auf Trab.

Eine Parasitenbekämpfung – in diesem Fall das Entwurmen – verfolgt daher auch nicht vorrangig das Ziel, Würmer komplett zu bekämpfen, sondern den Befall auf ein erträgliches Niveau zu senken und auf ein Minimum zu reduzieren, um erneute Erkrankungen und Schädigungen vorzubeugen. Im Übrigen ist eine komplette Ausrottung schier unmöglich: Die Entwicklungskreisläufe der Parasiten sind gut an die der Pferde und deren Lebensräume angepasst und eine Wiederansteckung nur schwer zu verhindern. An sich keine große Sache, wenn es da nicht die Resistenzen gäbe.

Aber wie wird richtig entwurmt?

Erwachsenen Pferden werden zwischen zwei und vier Wurmkuren pro Jahr verabreicht. In der Regel sind Parasiten zu allen vier Jahreszeiten aktiv, ganz besonders aber im Frühjahr und im Herbst. Wie man merkt sind besonders zwei Termine wichtig: Zu Beginn der Weidesaison und gegen Ende, wenn die Koppelsaison eingestellt wird. Da die Weide jedoch die häufigste Infektionsquelle darstellt, empfiehlt es sich, auch während der grünen Saison zu entwurmen. „Aber nun weiß man doch noch immer nicht, welchen Wirkstoff man geben soll!“ – Richtig. Einen Pauschalwirkstoff für alle Parasitengruppen gibt es nicht, deshalb kommt es darauf an, zu welcher Jahreszeit welcher Wirkstoff verabreicht wird.

Im Frühjahr ist es sinnvoll, den Fokus auf Rundwürmer, im Sommer auf Rund- und Bandwürmer und am Ende der Koppelsaison auf Magendasseln zu legen.

Na, dann schnell besorgen und meinem Pferd verabreichen!

Ganz so einfach gestaltet sich das Entwurmen nicht. Eine Wurmkur macht nur dann Sinn, wenn alle Bestandspferde an einem Stichtag mit dem selben Wirkstoff behandelt werden.
Und hier kommen auch schon die Begriffe der strategischen (nachhaltigen) und selektiven (zeitgemäßen) Entwurmung ins Spiel, denn beim Thema Wurmkur scheiden sich die Geister.

Strategische Entwurmung

Strategisch angegangen werden kann das Entwurmen, indem das Pferd 4 mal im Jahr standardmäßig entwurmt wird. So handhaben es die meisten Ställe – wenig Aufwand und der komplette Bestand auf ein Mal. Das bringt allerdings auch Nachteile mit sich, und hier kommen wir wieder zum Begriff der Resistenzbildung.
Parasiten können mit der Zeit Resistenzen gegen Inhaltsstoffe der Wurmkuren entwickeln, sodass die Wirkung quasi erfolglos ist. Da mehr und mehr Resistenzen festgestellt wurden, setzt sich mittlerweile die Form der selektiven Entwurmung durch. Um Resistenzen bei Parasiten zu vermeiden, ist es im Hinblick auf die strategische Entwurmung äußerst wichtig, die Wirkstoffe der Entwurmungsmittel regelmäßig zu wechseln. Wirkstoffgruppen sollten daher jedes Jahr ausgetauscht werden.

Selektive Entwurmung

Die selektive, oder auch zeitgemäße Entwurmung ist mit mehr Aufwand behaftet. Regelmäßig werden hierbei Kotproben des Pferdes an den Tierarzt oder das Labor geschickt, welche die Proben anschließend untersuchen und spezifisch darauf entwurmen. Allerdings nur, wenn die Kotproben auch wirklich Parasiten enthalten.
Blickt man nun auf einen kompletten Pferdebestand, so müssen von allen Pferden gleichzeitig Kotproben entnommen und eingeschickt werden. Dieser Vorgang wird über mehrere Monate hinweg durchgeführt. Positiv hierbei ist, dass man dem Pferd nur dann eine Wurmkur verabreicht, wenn ein parasitärer Befall besteht. So landet keine Chemie in eurem Pferd, wenn es nicht notwendig ist.

Weitere Tipps

Ob nun strategisch oder selektiv muss jeder Pferdebesitzer und Stallbetreiber für sich und im Namen seiner Pferde selbst entscheiden – mit dem Entwurmen allein ist es jedoch nicht getan.

Stall, Paddocks und Koppeln sollten regelmäßig und gründlich abgeäppelt werden. Besonders nach der Behandlung mit einer Wurmkur kann es bei einem parasitären Befall vorkommen, große Mengen an Eiern, Larven und Würmern im Pferdekot vorzufinden. Um eine neue Infektion oder die Ansteckung anderer Pferde zu verhindern, empfiehlt es sich also besonders gründlich beim Säubern der oben genannten Orte zu sein. Betreibt man eine gute Stall-, Paddock – und Weidepflege, haben die Parasiten weniger Chancen.

Wie handhabt ihr dem Umgang mit dem Entwurmen eurer Pferde? Strategisch oder selektiv?

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