Foto: Katharina Dose

Die Qual der Wahl – warum dir dein Bauchgefühl beim Eindecken nicht weiterhilft!

Winterzeit ist Deckenzeit. Beachtet man die ganzen Artikel, Blogs oder Stallgespräche zu diesem Thema, die derzeit gehäuft auftauchen, könnte man das zumindest denken. Sicherlich erreicht die Zahl der eingedeckten Pferde im Winter ihren Höhepunkt. Jedoch spielen verschiedene Decken heutzutage das ganze Jahr über eine Rolle. Im Winter kommen Stalldecken oder Winterdecken, im Sommer Fliegendecken oder Ekzemerdecken und Regendecken kommen zu den verschiedensten Jahreszeiten zum Einsatz.

Foto: Katharina Dose

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Doch welchen Einfluss hat das Eindecken eigentlich auf das Wohlbefinden des Pferdes?
Wir zeigen dir, was du unbedingt im Hinterkopf behalten solltest, wenn du dein Pferd eindeckst.

Warum decken wir unsere Pferde überhaupt ein?

Jede Decke hat eine bestimmte Funktion, die dein Pferd im richtigen Moment unterstützen kann. Im Winter spielt vor allem das Wetter eine große Rolle bei der Wahl der richtigen Decke. Kälte, vermehrter Niederschlag oder Wind, davor sollen Winterdecken schützen.

Eindecken oder nicht?

Regendecke oder doch lieber die 200-Gramm-Decke?

Was für eine Decke brauche ich, wenn mein Pferd geschoren ist?

Fragen über Fragen, die einen manchmal ganz schön zum Verzweifeln bringen können.

Eine interessante Beobachtung ist, dass viele sich bei der Wahl der richtigen Decke ausschließlich Gedanken machen, ob das Pferd frieren könnte. Dieser Gedanke ist womöglich im menschlichen Empfinden verankert. Häufig wird nicht beachtet, dass die Thermoneutralzone (TNZ) sich von Art zu Art, wie beispielsweise zwischen Pferden, Hunden oder Schweinen, unterscheiden. Die Thermoneutralzone wird auch Behaglichkeitsbereich genannt und beschreibt den Temperaturbereich, in dem sich ein Lebewesen in Bezug auf die Umgebungstemperatur wohlfühlt, da die erzeugte Wärme konstant bleibt und weder Energie für mehr Wärme oder Abkühlung aufgebracht werden muss. Betrachtet man die Thermoneutralzone (TNZ) eines Menschen, welche ca. zwischen 25-32 °C (unbekleidet) liegt, kann man feststellen, dass ein Mensch ohne Kleidung bereits bei ca. unter 25 °C anfängt zu frieren und somit mehr Wärme produzieren muss. Bei Pferden hingegen liegt die TNZ in etwa zwischen -15 bis 25 °C. Das bedeutet, Pferde haben eine deutlich höhere Toleranz gegenüber Kälte, als gegenüber Hitze. In unserer Klimazone ist Pferden somit tendenziell im Sommer eher zu warm, als dass sie im Winter frieren. Verlässt man sich beim Eindecken also auf sein eigenes Temperaturempfinden, fällt die Wahl schnell mal auf eine sehr warme Decke. Aber Achtung, denn auch eine Überhitzung kann für das Pferd eine massive Belastung sein und zum Beispiel zu Kreislaufstörungen bis hin zu Kreislaufversagen führen.

Vergiss daher nie, dass mit einer Decke die natürliche Thermoregulation des Pferdes beeinflusst werden kann.

Kim Hodgess, einer Masterstudentin aus England, hat sich dem Thema angenommen und die Wirkung verschiedener Pferdedecken auf die Körpertemperatur des Pferdes untersucht. In ihrer Studie wurden Pferde die eine Ekzemerdecke, eine Fleecedecke, eine leichte Stalldecke und Pferde die keine Decke trugen, hinsichtlich ihrer Oberflächentemperatur miteinander verglichen. Für die Messung wurde an jedem Pferd ein Temperatursensor im Bereich an der Hüfte angebracht, welcher die Oberflächentemperatur misst. Zusätzlich wurde die Umgebungstemperatur erfasst, um hinterher die Veränderungen bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen nachvollziehen zu können. Die Studie zeigte einen Temperaturanstieg der Oberflächentemperatur, die Temperatur, die an der Oberfläche des Pferdes messbar ist (sie ist nicht mit der Körperkerntemperatur gleichzusetzen), von 4,2 °C bei Pferden mit einer Ekzemerdecke, von 11,2 °C bei Pferden mit einer Fleecedecke und von 15,8 °C bei Pferden die eine leichte Stalldecke trugen. Bei einer Umgebungstemperatur von 4-5°C hatten vier der eingedeckten Pferde eine Oberflächentemperatur von 24-30 °C während die nicht eingedeckten Pferde eine Oberflächentemperatur von 12,5-18,5 °C hatten. Die Ergebnisse konnten zeigen, dass bei eingedeckten Pferden ein deutlicher Anstieg der Oberflächentemperatur, sogar über die für Pferde angenehmen Temperaturen, auftreten kann. Die natürliche Thermoregulation wird gestört, indem die Pferde nun einen Wärmeausgleich, mit einhergehendem Energieverlust, schaffen müssen, welcher normalerweise nicht aufgetreten wäre.
Natürlich ist der Einsatz von Decken in vielen Situationen durchaus sinnvoll, wichtig ist dabei, dass hier individuell auf das Pferd abgestimmt wird, welche Decke die richtige ist. Faktoren wie Alter, Größe, Temperament, Rasse, Haltungsform, eine Schur beeinflussen die Wahl der richtigen Decke.

Foto: Friederike Schinkel

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Zum Beispiel stehen Pferde im Stall häufig windgeschützter als im Offenstall. Pferde die keine Möglichkeit haben sich auf der Weide unter zu stellen, können durch eine Regendecke vor Dauerregen zusätzlich geschützt werden. Ist dein Pferd geschoren, so ist die Thermoregulation besonders an den geschorenen Stellen verändert. Da Fell , neben der Fettschicht und der Durchblutung, eine Teilmaßnahme der Thermoregulation ist, kann hier eine Decke das fehlende Fell ausgleichen und somit die Thermoregulation unterstützen.

Merke: Hast du dich einmal fürs Eindecken entschieden, musst du auch dabei bleiben, zumindest für diesen Winter, da die Thermoregulation bei eingedeckten Pferden nicht trainiert wird.

Behalte immer im Hinterkopf, dass die Thermoneutralzone deines Pferdes nicht deiner eigenen entspricht! Auch wenn du selber vielleicht gerade frierst, kann es sein, dass dein Pferd sich gerade so richtig wohlfühlt. Wenn du dir unsicher bist, welche Decke bei welchem Wetter geeignet ist und lieber auf Nummer sicher gehen willst, versuch es doch mal mit einem Deckensensor. Dieser zeigt dir die Temperatur und Feuchtigkeit unter der Decke an und kann dich in deiner Entscheidung, welche Decke gerade die richtige ist, unterstützen. Verschiedene Firmen stellen diese Deckensensoren bereits her, unter anderem Horseware (Horsepal) und Arioneo (Orscana) Ansonsten kann man nur sagen, weniger ist oft mehr!

 

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